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UND VERSCHOBEN AUF 2021

Pflegeberufe - trotz der aktuellen Herausforderungen die richtige Entscheidung

Mittelfrankens Wohlfahrtsverbände werben für die Pflege – auch wenn die geplante Großveranstaltung am „Tag der Pflege“ am 12. Mai ausfallen muss

Als „herausfordernd“ beschreibt Katharina Reitenspies die Situation in der Corona-Krise. Die alten Menschen fühlten sich zunehmend isoliert und inzwischen komme von vielen täglich der Wunsch, die Angehörigen sehen zu wollen. Vom Balkon zu ihnen zu sprechen, genüge ihnen nicht mehr. Für das Pflegepersonal werde es anstrengend, auch wenn sie vieles unternehmen, die Bewohner zu beschäftigen und zu unterhalten.

Katharina Reitenspies ist angehende Pflegekraft im Caritas-Seniorenheim St. Albertus Magnus in Stein bei Nürnberg. Erst im Oktober hat sie ihre Ausbildung begonnen. Für den theoretischen Teil besucht sie die Berufsfachschule für Pflege des Caritasverbandes Nürnberg.

Wie mehrere hundert anderer Pflegeschülerinnen und -schüler hätte sie am 12. Mai - dem Tag der Pflege - in der Nürnberger Innenstadt teilgenommen. Kreativ und bunt wollten die jungen Menschen wie schon voriges Jahr mit Tanz, Pantomime, Theater, Spielen und auf Transparenten und Plakaten zeigen, wie schön, bereichernd und wertvoll ihr Beruf ist. Doch auch dem hat Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wegen der Pandemie musste die Bezirksarbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege im Bezirk Mittelfranken die von ihr seit langem vorbereitete Veranstaltung absagen.

Und das in einem Jubiläumsjahr. Florence Nightingale, die Begründerin der Pflegeausbildung, hätte just an diesem 12. Mai ihren 200. Geburtstag gehabt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte daher das Jahr 2020 als „Jahr der Pflegenden“ ausgerufen.

Auf ganz unvorhergesehene Art ist 2020 nun ein Jahr der Pflegenden geworden. Und diese genießen auf einmal eine große Hochachtung, werden allgemein mit Lob und Applaus überschüttet und als „systemrelevant“ bezeichnet.

Ob auch nach der Corona-Krise, in der die Personalsituation im Gesundheitswesen besonders angespannt ist, der Pflegeberuf die gleiche Anerkennung genießt, bleibt abzuwarten.

Sicher ist, dass seine Systemrelevanz weiter steigen wird. Sind in Deutschland schon heute rund 3,5 Millionen Menschen auf Pflege und Betreuung angewiesen, davon allein in Bayern mehr als 400.000, so wird die Zahl in den nächsten 10 Jahren auf fast 4 Millionen ansteigen. Das erfordert 80.000 zusätzliche Stellen in der stationären und noch einmal 20.000 in der ambulanten Pflege.

Katharina Reitenspies hat in der Pflege ihre Berufung gefunden. Sie ist bereits 27 Jahre alt, hat studiert und dann in der Tourismusbranche gearbeitet. „Den Bürojob fand ich schrecklich“, sagt sie. Bereits als Gymnasiastin habe sie bei der Pflege ihrer Tante mitgeholfen. „Ich war immer dabei, habe alles gesehen“. Als sie sich beruflich umorientierte, habe ihr Vater gesagt: „Das liegt dir.“ Sie arbeite heute in der Pflege, „weil es mir gefällt“.

Auch mit den Verdienstmöglichkeiten ist Katharina Reitenspies zufrieden: „Es bedeutet für mich keine Einbuße“. Vor allem aber lobt sie die Kolleginnen und die Ausbildung: „Ich habe eine sehr gute Praxisanleitung. Meine Ausbilderin hat viel Zeit für mich.“

Die Bezirksarbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege im Bezirk Mittelfranken hofft, dass viele junge Menschen dies genauso sehen und sich zur neuen dreijährigen, generalistischen Pflegefachkraftausbildung, die seit diesem Jahr deutschlandweit die bisherigen Ausbildungsberufe Gesundheits- und Krankenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege und die Altenpflege ersetzt, entschließen.

Auch, oder gerade, unter dem Zeichen des Virus.

 

 

Jetzt bewerben für einen neuen Beruf!

Breitere Kenntnisse, mehr berufliche Möglichkeiten: Im September 2020 startet die Ausbildung zu dem neuen Beruf Pflegefachmann/frau.

Der Beruf Pflegefachmann/frau umfasst die bisher getrennten Ausbildungen in:

  • Altenpflege
  • Gesundheits- und Krankenpflege
  • Gesundheits- und Kinderkrankenpflege

 

Was sind die Vorteile des neuen Berufs?

Du erlernst die Fachpflege für Menschen aller Altersgruppen.

Nach dem erfolgreichen Abschluss kannst Du arbeiten:

  • im Pflegeheim
  • im Krankenhaus
  • in der ambulanten Pflege
  • in einer Facharztpraxis
  • in einer Tagespflege
  • in einer Einrichtung der Kurzzeitpflege
  • in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung
  • im Hospiz

Und das nicht nur in Deutschland. Der Abschluss als Pflegefachmann/frau ist in allen Staaten der Europäischen Union anerkannt.

 

Wie läuft die Ausbildung ab?

Die Ausbildung dauert 3 Jahre, wenn Du Dich in Vollzeit ausbilden lässt. Eine Teilzeitausbildung verlängert die Dauer auf bis zu 5 Jahre.

Für die Ausbildung benötigst Du eine Ausbildungsstelle. Eine solche Stelle kannst Du finden bei einem „Träger der praktischen Ausbildung“:

  • in einem Pflegeheim
  • in einem ambulanten Pflegedienst
  • in einem Krankenhaus

Hier verbringst Du die Orientierungsphase am Anfang der Ausbildung.

Während der Ausbildung durchläufst Du Praxiseinsätze in allen Bereichen der Pflege:

  • stationäre Langzeitpflege und Akutpflege
  • Ambulante Pflege
  • Pädiatrie
  • Palliativpflege
  • Psychiatrische Pflege
  • Rehabilitation

Bereiche der Pflege, die Dein Arbeitgeber selber nicht abdeckt, lernst Du bei einem Kooperationspartner kennen. Die verschiedenen Einrichtungen wirken deshalb in regionalen Ausbildungsverbünden zusammen.

Die theoretische Ausbildung erhältst Du an einer staatlich anerkannten Berufsfachschule.

Die theoretische Ausbildung umfasst 2.100 Stunden, die praktische Ausbildung 2.500 Stunden.

Geschulte Praxisanleiter und erfahrene Fachkräfte begleiten Dich in den Einrichtungen.

Für die Auszubildenden ist die berufliche Pflegeausbildung kostenlos. Ein Schulgeld muss nicht gezahlt werden und Auszubildende erhalten eine angemessene Ausbildungsvergütung. Deren Betrag ist je nach Träger der praktischen Ausbildung unterschiedlich hoch. Meist steigert sie sich im 2. und 3. Ausbildungsjahr.

 

Was sind die Ausbildungsvoraussetzungen?

  • Mittlerer Bildungsabschluss, oder
  • Mittelschulabschluss und anschließende mindestens zweijährige abgeschlossene Berufsausbildung, oder
  • Erfolgreich abgeschlossene Ausbildung in Pflegefachhilfe

Tag der Pflege 2019 - Rückblick

 

 

Pflege – ein Beruf mit Herz und Verstand

Vor allem Auszubildende gestalteten mit lebendigen Aktionen den Tag der Pflege in Nürnberg

Die immer wieder einsetzenden Regenschauer konnten ihrer guten Laune nichts anhaben. Die Auszubildenden, die am Tag der Pflege in Nürnbergs Innenstadt zusammengekommen waren, hatten sichtlich Spaß. Die Veranstaltung, inzwischen zum fünften Mal von den mittelfränkischen Wohlfahrtsverbänden ausgerichtet, war diesmal von den Aktionen der Altenpflegeschülerinnen und -schüler geprägt. 14 verschiedene Gruppen schwärmten vom Lorenzer Platz aus und zeigten den Passanten Talente über die berufliche Kompetenz hinaus. Etliche tanzten, andere zeigten eine Pantomime, eine Gruppe hatte sich als Roboter verkleidet.

„Wir wollen zeigen, dass wir unseren Beruf gerne machen“, sagte Caritas-Geschäftsführer Michael Groß als Sprecher der Veranstalter bei einer kleinen Kundgebung vor der Lorenzkirche. Die Pflegeschülerin Tatjana nannte als Grund, sich von der Hilfs- zur Fachkraft weiterzubilden: „Es ist schön, wenn die Menschen mitlächeln.“ Da sie bescheiden nicht damit herausrückte, musste Moderator Michael Groß verraten, was ein pflegebedürftiger Mann ihr nach dem Rasieren gesagt hatte: „Sie sind die Allerbeste.“

Ähnliche Motive für ihre Berufsentscheidung hatten andere Schülerinnen und Schüler auf Plakate geschrieben: „Ich pflege, weil ältere Menschen Zeit und Liebe brauchen“, „…weil ich den Menschen etwas zurückgeben möchte“, „… weil meine Pflege von Herzen kommt“ oder „… weil ich hier gebraucht werde“. Da war auch die Rede davon, dass jeder Mensch eine gute Pflege verdient hat und dass die Pflege eine Zukunft haben muss. „Pflege – ein Beruf mit Herz und Verstand“ stand auf ein weiteren Plakat und ein Transparent warb: „Komm in die Pflege – es lohnt sich“.

Und dass es sich lohnt, rechnete Groß am Beispiel der Caritas. Zwischen 3.000 und 4.000 Euro brutto verdiene eine Pflegefachkraft im Monat. Am wichtigsten aber sei, dass Pflegekräfte ihre Arbeit als sinnvoll erlebten.

Pflegeministerin Melanie Huml, die für ein Grußwort gekommen war, machte sich gegen das Vorurteil stark, die Pflegeausbildung werde von Schülern ergriffen, bei denen es zu einem angeblich angeseheneren Beruf nicht gelangt habe. Sie erzählte von einer Auszubildenden, die selbst von Altenheimbewohnern bemitleidet worden war, das Abitur sei wohl nicht so gut gewesen, dass sie nun im Pflegeheim arbeiten müsse. Die junge Frau habe geantwortet: „Das Abi war eigentlich ganz gut. Ich bin hier, weil ich bei euch sein will.“

Bezirkstagspräsident Armin Kroder empfahl dem Publikum ein Gedankenexperiment: „Stellen Sie sich vor, alle Pflegekräfte legten drei Tage lang die Arbeit nieder.“ Die Folgen, die man sich ausmalen könne, zeigten: „Die Pflege ist für die Gesellschaft systemrelevant im besten Sinne.“

Wer ist dabei?

Die Bezirksarbeitsgemeinschaft Mittelfranken setzt sich aus folgenden Akteuren zusammen:

AWO Ober- und Mittelfranken www.awo-omf.de
Bayerisches Rotes Kreuzwww.brk.de
Caritas Mittelfrankenwww.caritas-karriere.de
Der Paritätischewww.mittelfranken.paritaet-bayern.de
Diakonie Bayernwww.diakonie-bayern.de
Israelitische Kultusgemeinde Nürnbergwww.ikg-nuernberg.de